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Statements

„Einzig und allein der cinephile Blick aufs Kino ist noch wirklich interessant, überraschend. Nur das Kino-Denken und das Kino-Sehen aus seiner Geschichte und aus der Kenntnis seiner Möglichkeiten heraus bestätigt und befördert ein vitales Filmemachen, das klug, experimentell, freudvoll, lebensnah ist. Jedwede Markt-Orientierung im Denken an und über Kino ist dagegen voraussehbar, kurzatmig, austauschbar geworden, weil „Markt“ inzwischen gleich zu setzen ist mit mediokren Standardisierungen des Immergleichen und mit ausdrücklichem Avantgarde-Hass des Publikums. Das deutsche Förderkino, das sich mehr und mehr der Verflachung zuneigt, benötigt dringend geistige Unterstützung. Vor allem durch diejenigen, die unsere Arbeit kritisch und kenntnisreich beobachten können. Eine Woche der Kritik auf der Berlinale könnte Anstösse geben, könnte auch in Deutschland filmische Auseinandersetzung auf hohem Niveau wieder befördern.“
Dominik Graf (Regisseur)

„Die Berlinale zeigt an die 400 Filme – aber warum eigentlich? Wieso ist dieser Film drin und jener nicht? Wer schlägt einen Pfad durchs Dickicht? Wer hinterfragt die Auswahl und die Kriterien, nach denen der Betrieb funktioniert? Was andere Festivals längst haben, fehlt in Berlin: Eine Stelle, die nicht Massen von Filmen aufeinandertürmt, sondern „das Kino“ als ganzes anschaut und es im einzelnen Filmen wiederfindet. Bei 400 Filmen brauchen wir nicht noch mehr neue Nebenreihen, sondern genau so einen Ort zum Nachdenken und sich Austauschen.“
– Dietrich Brüggemann (Regisseur und Autor)

„Ich bin sehr dafür, Filme, welcher Art auch immer, für die Wahrnehmung zu öffnen. Denn die Wahrnehmung von Filmen ist zeitgebunden. Gebunden durch den Stand der gesell- schaftlichen Entwicklung. Gebunden durch den Stand der persönlichen Entwicklung. Viele meiner eigenen Texte würde ich heute anders schreiben. Die aktive und kreative Rezep- tion ist heute verdrängt und zur passiven Fremdbestimmung verbogen worden: durch einen mehr oder minder zeitgebundenen Konsens, die unbefangene Wahrnehmung von Filmen zu verhindern. Also: heben wir die Schätze, die kreative Wahrnehmung von Filmen aller Art möglicherweise bietet! Egal, ob die eine oder andere Pleite dabei zu registrieren ist. Filmkritik könnte dabei helfen, Augen aufzumachen statt zu verschließen! Den Blick nach unten und auf den eigenen Boden richten, ob in Brandenburg oder in Berlin oder sonstwo!“
– Dietrich Kuhlbrodt (Jurist, Autor, Schauspieler und Filmkritiker)

„Qualifizierte Filmkritik steht heute unter großem ökonomischem Druck. Das Nachdenken über Kanonisiertes, das Befragen der eigenen Grundlagen, das kontroverse Um- und Neubewertung von Filmen kommen im täglichen Betrieb zu kurz. Das ist umso gravierender, als wir auf der Schwelle einer neuen Medienkultur in einer radikal gewandelten Öffentlichkeit leben. Die Filmkritik muss sich über Filme verständigen abseits einer reinen Marktlogik, einem Mainstream – auch im Bereich des Autorenfilms – und der einsamen Setzung eines Großkritikers. Dies will die geplante Woche der Kritik öffentlich tun will und damit füllt sie eine wesentliche Lücke im Festivalbetrieb, denn sie nimmt Filme ernst jenseits von rituellen affirmativen Befragungen von Regisseuren, Stars und Prominenten auf roten Teppichen.“
– Jutta Brückner (Autorin und Regisseurin, Direktorin der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste Berlin)

„Sicherlich funktionieren die meisten Hollywood-Blockbuster im Wesentlichen über eine aufwendige Marketing-Maschinerie und dank einer Presselandschaft, die Kritik als plumpe Dienstleistung für die Zuschauer versteht, die sich angeblich alle für die „großen“ Filme interessieren. Dass Film über das reine Konsumieren hinausgeht, um europäisches und deutsches Kino in den Focus zu rücken, damit Film Themen in die Gesellschaft hineinträgt, dass man sich mit Filmkunst und den Mechanismen der bewegten Bilder, mit denen man heutzutage in vielen Bereichen des Lebens konfrontiert wird, beschäftigt, dazu braucht es aber eine funktionierende Filmkritik, und diese muss wieder verstärkt die Aufmerksamkeit des Publikums gewinnen. Nur dann kann auch das Medium Film und der soziale und kulturelle Ort Kino angemessen mit Leben gefüllt werden. Wie sonst sollte man die Aufmerksamkeit besser auf die Filmkritik lenken als mit einer Woche der Kritik im Februar in Berlin?“
– Andreas Heidenreich (Kinobetreiber, Festivalleiter)

„Cinema is quickly losing its freedom and heritage, good films are chased away by pretentious conventional narratives with gratuitous ‚human‘ stories, and especially now film festivals are at risk. It’s doubly problematic for people like myself as we are losing the outlet for what we do, and it’s not a German problem; Berlinale is still among the better ones in this regard. Look at Venice or Cannes. It’s terrible. Sure i’ll share this and also will co-sign, thanks. It’s good to know that some critics are also aware of this huge crisis that we are now facing everyday. Film criticism is important. We can’t continue without the good critical viewpoints and writings on what we do. Thanx.“
– Toshi Fujiwara (Regisseur, Kameramann, Filmkritiker)

„The very fact that the act of going beyond appearances, of deconstructing a visual message and confuting its validity (i.e. film criticism) is no longer a viable profession speaks volumes about the world we live in. Western democracies and their newspapers, magazines and websites as a matter of fact can do without film criticism unless the latter morphs into publicity or buzz-generating twaddle. It is quite clear to who is writing that questioning and critical thinking are not very valuable assets to the neoliberal gospel and its preachers who rule undisputed our societies. This leaves „serious“ film critics either unemployed or forced into less noble forms of intellectual prostitution in order not to wait tables (that is unless you are independently wealthy enough so as not have to make a living). This is a reality that no amount of dedicated, critical and anti-commercial criticism will make go away, it would be foolish telling ourselves otherwise. The disproportionate influence that sponsors and profit-driven imperatives have come to play in the film industry is nothing but a reflection of our social predicament. „Serious,“ engaged and truly independent criticism can flourish only in a society that (economically) thrives on debate and allows or even encourages its citizens to cultivate doubt and nurture dissent. That is clearly not the case. Given the preoccupying state Europe is in and the dangerously authoritarian winds that are sweeping its crisis-stricken planes, film and criticism can only degenerate along with all the rest. That is unless we oppose by any means necessary this political, social and cultural decline of which the state of film criticism is, once again, nothing but a reflection. To say it with our colleague Michael Pattison: „we have to question the ways in which the film industry reinforces the economically hostile conditions that threaten it to begin with.“ In order to do that, we have to engage with and criticize not only films, but also, and most importantly, the world they originate from. That is not to say that nothing can be done to better the declining working conditions of film critics worldwide. Instead of vaingloriously and individualistically chase a nonexistent „critical fame“ we could organize as film critics, defend our craft and profession from devaluation, making sure resources within the industry are fairly distributed and so on. As form and content are inextricably related in a film, so are the material and intellectual aspects of film criticism in relation to the wider social, economic and political sphere.“
– Giovanni Vimercati (Filmeinkäufer, italienischer Vertrieb)

Unterzeichner*innen des Flugblatts für aktivistische Filmkritik

Dunja Bialas
Jennifer Borrmann
Frédéric Jaeger
Claus Löser
Dennis Vetter
Beatrice Behn
Kirsten Kieninger
Joachim Kurz
Harald Mühlbeyer
Wilhelm Skrjabin
Hans Stempel
Florian Vollmers
Rochus Wolff
Clara Wellner Bou
Erik Lemke
José Garcia
Stefanie Drechsel
Huan Vu
Sebastian Selig
Daniel Kothenschulte
Carsten Spicher
Andreas Heidenreich
Karola Gramann
Hannes Brühwiler
Heide Schlüpmann
Christoph Wirsching
Elisabeth Maurer
Wilhelm Hein
Paul Poet
Rüdiger Suchsland
Michael Cholewa
Jörg van Bebber
Peter Clasen
Rudi Gaul
Markus Brandstätter
Gregor Torinus
Marcus Stiglegger
Anette Frick
Sano Cestnik
Jörg Buttgereit
Jens Dehn
Jan Soldat
Jochen Werner
Dana Linssen
Jean Roy
Pablo Utin
Joyce Roodnat
Johann Jakob Häußermann
Alexandra Zawia
Ulrich Kriest
Stephan Langer
Thorsten Krüger
Tara Karajica
Thomas Moritz Müller
Pamela Pianezza
Yoana Pavlova
Patrick Holzapfel
Adrian Martin
Louise Burkart
Roger Koza
Thomas Groh
Pamela Biénzobas
Diego Brodersen
Andrey Arnold
Toshi Fujiwara
Jakob Gross
Ann-Christin Eikenbusch
Greg de Cuir, Jr
Luca Fuchs
Oliver Nöding
Bernd Kiefer
Paolo Bertolin
Edmund Yeo
Alex Oost
Michael Schleeh
Dominik Kamalzadeh
Julian Ross
Mark Schilling
Giovanni Vimercati
Kirsten Liese
Cosima Lutz
Thomas Rothschild
Tino Hanekamp
Christian von Borries