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Konferenz 2019: Intensivstation Kino

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Konferenz 2019: Intensivstation Kino

Konferenz 2019: Intensivstation Kino

Bitte eine Dosis Schlingensief – oder warum mit braver Kunst die Welt nicht zu retten ist

Konferenz in der Volksbühne Berlin, Mittwoch, 06.02.2019 ab 16.30 Uhr

Ist das Kino heute nicht unfassbar brav? Gerade dann, wenn es angeblich ums Ganze geht? Die fünfte Woche der Kritik eröffnet mit einer Konferenz, die sich ausgehend vom international noch zu wenig bekannten Werk Christoph Schlingensiefs der Kunst von heute nähert, um einen neuen Blick aufs Kino zu gewinnen.
Zu den Gästen gehören unter anderen der Regisseur Milo Rau, die Lyrikerin Monika Rinck, der Filmemacher Andrew Kötting, die Intendantin Amelie Deuflhard, der Kunsthistoriker Philip Ursprung und die Schauspielerin Susanne Bredehöft.

Wenn’s um Wichtiges geht im Kino, stirbt der Spaß zuallererst. Ernste Themen wollen ernste Antworten. Das liegt nahe, das ist die sichere Lösung, das gebietet die Moral. Rechtsruck, Klimawandel, Krieg und Vertreibung – da muss man gut drüber nachdenken, bevor man Förderanträge stellt. Auch ein Lachen will genau platziert sein. Also gibt es viele anständige, vernünftige Filme mit klaren Botschaften und ein paar künstlerisch avancierte, grüblerische Filme, die sich anders aus der Affäre ziehen. Vieles ist erbaulich, manches ist offen nachdenklich. Aber erschüttert wird man nicht. Denn im Kino geht die Angst um: Bloß nicht zündeln, keine Schnellschüsse. Wir sitzen auf einem Pulverfass.

Nur: Kommen wir da wieder runter, wenn überall die Vorsicht regiert? Einer, der sicher “Nein!” gebrüllt hätte, war Christoph Schlingensief. Ihm war Verwirrung lieber als Konsens, Reibung mochte er mehr als Erfolg. Filme sollten nicht das Gute bebildern, sondern Bilder für das Böse finden: “Angst und Schrecken zu verbreiten ist eine Hauptaufgabe der Kunst.” Er, der Apothekersohn wusste: Medizin ist nichts anderes als die richtige Menge Gift. Und so injizierte er Realität in hyperreale Szenarien, ließ Asylanwärter Big Brother und Neonazis Hamlet spielen, verquickte Trash und Pop und Kunst, um neue Räume zu schaffen. Als die Grenzen des braven deutschen Kinos für ihn zu eng wurden, sprengte er sie auf, brachte Film ins Theater, Theater auf die Straße und Kunst ins Fernsehen. Spaß sollte es machen, sich zu ekeln, in den Überzeugungen zu schwanken und unsicher zu werden, wo Spiel aufhört und Ernst beginnt. Spaß an der Selbstübertölpelung, dem Moralverlust, der politischen Verwirrung.

In Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin lädt die Woche der Kritik Gäste aus Film, Theater, Theorie und Lyrik ein, ausgehend von Schlingensiefs Werk über schmutzige Kunst, die Grenzen des Kinos und Spaß im Aktivismus zu debattieren. Unter welchen Vorzeichen kann man ernste Themen auch anders als ernst behandeln? Wie kann das Kino sein Publikum erschüttern und Diskursblasen platzen lassen? Waren Schlingensiefs verwirrende Spiele mit der Realität seiner Zeit voraus oder sind sie heute aus der Zeit gefallen?

Bisher bestätigte Gäste:

Milo Rau – Theater- und Filmregisseur (u.a. “Das Kongo Tribunal”, “Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs”)
Amelie Deuflhard – Intendantin Theater und Kulturzentrum Kampnagel Hamburg
Andrew Kötting – Filmemacher (u.a. “Lek and the Dogs”, “Gallivant”)
Monika Rinck – Dichterin, Essayistin (u.a. “Risiko und Idiotie. Streitschriften.”)
Philip Ursprung – Kunsthistoriker, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich
Susanne Bredehöft – Schauspielerin (u.a. “Das deutsche Kettensägenmassaker”, “Terror 2000”)

Die 5. Woche der Kritik findet vom 6. bis 14. Februar 2019 statt. Die Konferenz findet in der Volksbühne Berlin statt. Das Filmprogramm beginnt am Donnerstag, 7. Februar im Hackesche Höfe Kino.

Tickets für Konferenz + Film “Das deutsche Kettensägenmassaker”

Tickets nur für die Konferenz

Pressekontakt: Jendrik Walendy, presse@wochederkritik.de

Die Woche der Kritik ist eine Veranstaltung des Verbands der deutschen Filmkritik, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst und die Rudolf Augstein Stiftung. Die Eröffnungskonferenz findet in Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin statt.