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THE SKY IS RED (EL CIELO ESTÁ ROJO)

R: Francina Carbonell, K: Ignacia Muñoz, CL 2020, 73 Min., spanische OmeU – DP

Sankt Michael gilt als Bezwinger des Teufels in Gestalt eines feuerspeienden Drachens. Im Gefängnis von San Miguel in Santiago de Chile bricht nach einem Streit am 8. Dezember 2010 ein Feuer aus, das 81 Insassen tötet. THE SKY IS RED stellt sich dem Teufel erneut. Die Kamera des jungen Filmteams gleitet durch das überfüllte Innere der Anlage. Dann springt der Film Jahre zurück: Archivbilder von Überwachungskameras werden durchkreuzt von Fotos, Akten, Telefonmitschnitten und Vernehmungen vor Gericht. Die Hilferufe der Gefangenen liegen wie Geisterstimmen über Bildern eines investigativen Reenactments. Die Gesichter der verzweifelten Angehörigen zerlaufen zu anonymen Pixeln. Am Ende stehen ihre Stimmen. Bei den monatlichen Erinnerungsritualen zeugen sie davon, dass das staatliche Versagen innerhalb dieses menschenverachtenden Bestrafungssystems nur die verdichtete Form der sozialen Ungerechtigkeit jenseits der Mauern ist.

LETTER FROM YOUR FAR-OFF COUNTRY

R+K: Suneil Sanzgiri, US/IN 2020, 17 Min., Hindi/Urdu, OmeU – DP

Ausgangspunkt ist 1989, Suneil Sanzgiris Geburtsjahr, und ein Gespräch mit seinem Vater über die Herkunft der Familie. Archivmaterial, 16mm-Aufnahmen und digitale Bildmontagen verweben die persönliche Geschichte des Filmemachers mit Ideen von politischem Widerstand, Exil und Geschichte sowie Biografien von Dichtern, Politikern und Aktivist*innen. Begleitet von einem Song der pakistanischen Widerstandsikone Iqbal Bano, eröffnet der Film einen sinnlichen Resonanzraum zwischen Traumata der Vergangenheit und der Intensität des Moments. Titelgebend waren zwei Briefe: Der eine ist ein Gedicht des kaschmirisch-amerikanischen Autors Agha Shahid, das er aus dem Exil in Briefform an sich selbst adressierte. Den anderen schrieb der Regisseur an einen entfernten Verwandten und ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei. Suneil Sanzgiri verteidigt in seinem Essay das Kino als zeitlose Form der fortlaufenden, durchdringenden Befragung der Welt.

Debatte: AUF SPUREN – 1. März, 20 Uhr

Wie lassen sich traumatische Erinnerungen im kreativen Prozess des Filmemachens nachgehen? In welche produktiven Zusammenhänge können sie gestellt werden? Welche Genauigkeit der Recherche und welche filmische Form ist ihnen angemessen? Und wo werden durch die filmische Aufarbeitung selbst Spuren der Erinnerung gelegt? In der Wahl des Materials, im Umgang mit Stilmitteln, im Rückbezug auf Biografisches, in der atmosphärischen Aufladung? Eine Debatte um Wahrheitsschnipsel und Haltungen zur Geschichte.

Gäste: Francina Carbonell, Suneil Sanzgiri, Ruth Beckermann, Volker Pantenburg
Moderation: Dennis Vetter

Wir präsentieren das Programm in Zusammenarbeit mit dem Ibero-Amerikanischen Institut.

Keine Debatte ohne Publikum! Unsere Moderator*innen greifen im Gesprächsverlauf gerne Fragen auf, die uns über unsere Telegram Chatgruppe erreichen. Mit diesem Link gehts direkt zur Diskussion: https://t.me/joinchat/IPRUz7Xw5QmiN2Ts