Publikumsjoker
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Publikumsjoker
16. Februar 2026 – 20:00 Uhr Hackesche Höfe Kino
Filme:
BEAUTIFUL AND NEAT ROOM
HUGS & KISSES
Debattenformat: PUBLIKUMSJOKER
In diesem Format wird aus einem Pool von Freiwilligen ein*e Zuschauer*in ausgewählt, die mit den Filmemachern und/oder Gästen über die Filme des Abends diskutiert – und dabei auch die Hilfe anderer Zuschauer*innen in Anspruch nehmen kann.
Debattengäste u. a.: Maria Petschnig, Marc Richter
BEAUTIFUL AND NEAT ROOM
R: Maria Petschnig, C: Charlotte Aubin, Ari Brand, Adam Ratcliffe, Jefrey B. Wilkerson, Kevin Trinio Perdido, K: Jamal Solomon, AT/US 2025, 118 Min., englisches Original – Deutschlandpremiere
Wer in New York lebt, lässt natürlich kein Zimmer leer stehen, das wäre ja zu teuer. So sieht das zumindest die schwedische Künstlerin im Zentrum von Maria Petschnigs Film, die nicht unbedingt aus Nächstenliebe nach Untermieter*innen sucht. Beim Casting der idealen Person für ein Zusammenwohnen des geringsten Widerstands steht ihr ihre mangelnde Menschenkenntnis jedoch immer wieder im Wege. Für keine Sekunde erweckt BEAUTIFUL AND NEAT ROOM den Anschein eines wohlig-humanistischen Appells an soziale Gerechtigkeit im Angesicht von Gentrifizierung. Stattdessen entfaltet Petschnig mit großer Konsequenz eine beißend-absurde Komödie über Künstler*innenklischees, menschliche Neurosen und Kauzigkeiten auf engstem Raum.
Maria Petschnig (geb. 1977) ist eine in Österreich geborene, in New York City lebende Künstlerin und Filmemacherin. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit den Themen Erinnerung, Voyeurismus und Erotik auseinander und nutzt dafür unterschiedliche Medien wie Videokunst, experimentellen Film und Spielfilm. Ihre oft psychologisch aufgeladenen und bewusst irritierenden Werke hinterfragen Intimität, Machtverhältnisse und die Rolle des Publikums als Beobachter. Petschnigs Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im MoMA PS1, und von renommierten Medien wie The New York Times, Artforum und Art in America besprochen. 2021 erschien ihr erster Dokumentarfilm UNCOMFORTABLY COMFORTABLE der das Leben eines obdachlosen Mannes in New York begleitet. Der Film feierte Premiere bei der Duisburger Filmwoche und wurde mit dem ARTE-Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Ihr Spielfilm BEAUTIFUL AND NEAT ROOM (2025), inspiriert von ihren eigenen Erfahrungen mit über 60 Mitbewohner*innen, gewann den Grand Prix beim Split Film Festival. Wie sie der New York Times sagte, war das Zusammenleben „eine Möglichkeit, als Künstlerin in New York zu überleben“. Petschnigs Arbeiten wurden auf zahlreichen internationalen Ausstellungen und Filmfestivals gezeigt, darunter beim International Film Festival Rotterdam und in den Anthology Film Archives in New York. Zudem hielt sie Vorträge und Präsentationen an Institutionen wie der Columbia University, dem Vassar College, dem Institute of Contemporary Art (ICA) in Moskau, dem National Centre for Contemporary Arts in Jekaterinburg sowie an der New School in New York.
„Ihre seltsamen Filme machen sie zum Franz Kafka der Kunstwelt” – New York Magazine
HUGS & KISSES
R: Neue Deutsche Kunst/Marc Richter, DE 2025, 11 Min., ohne Dialog
Für HUGS & KISSES flutete Marc Richter alias Neue Deutsche Kunst die Eingabefelder von KI-Programmen mit surrealen Texten und verwirrenden Befehlen. Heraus kam eine Melange aus psychedelisch-abseitigen Bildern und Musikstücken, die Richter zu einem befremdlichen wie zärtlichen Film verdichtet hat. Die Grenzen zwischen den farbenfrohen Gegenständen und Körpern verlaufen darin mit sinnlicher Freude zum freifliegenden Score und langsam beginnen neuartige Wesen sich einander anzunähern. Umarmungen und Küsse liegen in der Luft. Entfremdung und Zuneigung berühren sich im Möglichkeitsraum von menschlicher Kreativität und künstlicher Intelligenz. Eine Bestandsaufnahme gegenwärtiger deutscher Zustände?
Marc Richter (*1968) ist ein in Hamburg lebender Multimedia-Künstler und Komponist. Unter dem Label Neue Deutsche Kunst veröffentlicht er eigene Werke und fördert Künstler:innen mit einer ähnlichen Ästhetik, die deutsche Kunsttraditionen mit moderner Elektronik und Popkultur verbindet. Auch bekannt durch sein Musikprojekt Black To Comm, agiert Richter an der Schnittstelle von bildender Kunst, kuratorischer Praxis und Musik. Er erforscht die Grenzen von KI-Software, indem er sie mit surrealen, überladenen und widersprüchlichen Aufgaben konfrontiert. Innerhalb eigens entwickelter visueller Rahmen versucht die KI, diese poetisch-verstörenden Impulse zu verarbeiten und erzeugt dabei halluzinatorische, psychedelische Bildwelten und Filme. Richters Arbeiten sind geprägt von einer melancholisch-surrealen Atmosphäre und beeinflusst von deutscher Folklore, früher Videokunst, actionistischer Performance, experimenteller Musik, psychedelischer Kultur sowie den Texten von Angela Carter und J. G. Ballard. 2024 gewann er den MuVi Award beim Internationalen Kurzfilmfestival Oberhausen und veröffentlichte sein erstes Künstlerbuch.
