Rudelkritik
Rudelkritik

Rudelkritik
12. Februar 2026 – 20:00 Uhr Hackesche Höfe Kino
Filme:
HINTERLEGTE NUMMERN
ONE MINUTE IS AN ETERNITY FOR THOSE WHO ARE SUFFERING
Debattenformat: RUDELKRITIK
Dieses Format bringt Stimmen aus der internationalen Filmkritik zusammen, um die Filme des Abends genauer unter die Lupe zu nehmen und sich den Positionen des Publikums zu stellen.
Gäste:
Debattengäste u. a.: Vera Klocke
In Anwesenheit von: Farina Mietchen, Fábio Rogério
HINTERLEGTE NUMMERN
R: Farina Mietchen, K: Lukas Grubba, DE 2025, 20 Min., deutsche OmeU – Weltpremiere
Von wegen Welt der totalen Erreichbarkeit: Die Menschen in Farina Mietchens Dokumentarfilm kommunizieren prekär, und der Zugang zu dieser Kommunikation ist ungleich verteilt. Die Regeln der Gefängnistelefonie, die längst ein Geschäft geworden ist: „Wenn du mich nicht erreichst“, erinnert ein ehemaliger JVA-Insasse seinen türkischen Freund, der noch immer im Knast sitzt, „probier es wieder, ich kann dich ja nicht zurückrufen“. Mietchen hört ihren anonymisierten Protagonist*innen beim Telefonieren zu, beim gemeinsamen Tatort schauen, beim Pläne schmieden, während sie selbst Besuchsanträge ausfüllt. Das störanfällige DV-Format spiegelt die Welt einer brüchigen Kommunikation, die aus der Zeit gefallen scheint – wie vielleicht das ganze System des Strafvollzugs, das sie nötig macht.
Farina Mietchen (geboren 1994 in Neumünster) lebt und arbeitet in Hamburg. Nach einem Studium der Philosophie und Soziologie in Hamburg wechselte sie an die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK), wo sie Film studierte. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich zwischen dokumentarischen und fiktionalen Formen und beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Strukturen sowie sozialen Realitäten. Neben filmischen Arbeiten bildet Fotografie einen eigenständigen Schwerpunkt innerhalb ihrer Praxis. Von 2019 bis 2025 war sie Mitglied des Kollektivs Cake und Cash, das 2023 ein Kunststipendium der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius erhielt.
ONE MINUTE IS AN ETERNITY FOR THOSE WHO ARE SUFFERING (UM MINUTO É UMA ETERNIDADE PARA QUEM ESTÁ SOFRENDO)
R: Fábio Rogério, Wesley Pereira de Castro, C: Wesley Pereira de Castro, Rosane Pereira de Castro, BR 2025, 62 Min., brasilianische OmeU – Deutschlandpremiere
Ein Haus und sein Hinterhof. Es ist heiß. Der Abwasch bleibt liegen. Das Wasser ist seit Tagen weg. Die Distanzlosigkeit einer Handkamera, schonungslos auf sich selbst gerichtet. Selbsttherapie-Versuche durch Äpfel essen, nackt sein und lesen, zum Beispiel Becketts Molloy, ein Roman über körperlichen und geistigen Zerfall. Dann kommt das Wasser zurück. Durch Regengüsse, die den Hinterhof überschwemmen und in Form einer Filmszene auf dem heimischen Fernseher. Dann Panikattacken. Haustiere. Müll. Nuri Bilge Ceylan. Tinderprofile. Suizidgedanken. Telenovelas. Fetische. Gilles Deleuze. Das alles ist Teil der audiovisuellen Tagebucheinträge aus dem Leben von Wesley Pereira de Castro, die gegen die Vermarktungslogik des Kinos rebellieren und Intellekt, Lust, Lebensumstände, Freiheit und Cinephilie auf radikale Weise miteinander verbinden.
Fábio Rogério wurde 1985 in Sergipe (Brasilien) geboren. Er ist Fan des Fußballclubs Botafogo und Vater von Rudá. Zusammen mit Wesley Pereira de Castro führte er Regie bei ONE MINUTE IS AN ETERNITY FOR THOSE WHO ARE SUFFERING (2025). Ihr Film wurde für das Tiradentes Filmfestival (Brasilien) ausgewählt und gewann den Preis für den besten Spielfilm in der Kategorie Aurora.
