Widersprechen, wieder sprechen
Widersprechen, wieder sprechen

Es scheint schlecht zu stehen um die hierzulande viel gerühmte Streitkultur. Das Diskussionsklima in der deutschen Öffentlichkeit, so heißt es vielerorts, sei so vergiftet, die Gräben so tief und die Feindbilder so stark, dass die Streitkultur ernsthaft in Gefahr sei. Auch in den Kulturszenen vieler Länder scheint die Bereitschaft zu schwinden, miteinander offen und konstruktiv über Differenzen zu reden. Diese Tendenz hat sich nach dem 7. Oktober 2023 noch verstärkt.
Doch was ist diese Streitkultur eigentlich? Warum ist sie bedroht, und warum ist sie überhaupt schützenswert? Anlässlich der aktuellen Verwerfungen im Kulturbereich diskutieren wir im Rahmen der Woche der Kritik 2026 die Idee der Streitkultur und die Bedeutung des Streitens für unvermeidbare gesellschaftliche Aushandlungen – in der Filmbranche und darüber hinaus. Und wir wollen fragen: Was hat Kritik mit Streit zu tun? Schließlich wurde die Woche der Kritik im Glauben gegründet, dass Streit notwendig und produktiv ist, aber auch lustvoll und einfühlsam sein kann.
Im Rahmen des Auftaktabends am 9. Februar in der Akademie der Künste diskutieren die Philosophin Heidi Salaverría, die derzeit unter anderem zum Zusammenhang von Streit und Salsa-Tanz forscht, und Hengameh Yaghoobifarah (Schriftsteller*in, Redakteur*in) – bekannt durch scharfzüngige Texte sowie durch nachdrückliche öffentliche Positionierungen. Moderiert wird das Gespräch von der Journalistin Amina Aziz, die auch die Gastredaktion des diesjährigen Online-Magazins der Woche der Kritik übernommen hat.
Anschließend lassen wir mit Frédéric Jaeger, Canan Turan und Cem Kaya diskussionsfreudige Filmschaffende und Kritiker*innen auf die abgebrühten Rhetorik-Profis Dario Werner und Susanna Wirthgen treffen, um mit den besten Argumenten widersprüchliche Blickwinkel auf das Konzept der Kritik selbst zu werfen – im Berufsstand, in der Kunst, als Kommunikationsmittel und als philosophische Grundhaltung. Der Künstler und Streitformatentwickler Martin Muth inszeniert und moderiert die Debatte als spielerischen Austausch mit dem Publikum und erprobt darin, welchen Regeln öffentliche Debatten eigentlich folgen. Mit Musik von Stephan Wortmann.
Mo 9. Feb
19:00 Uhr
Auftaktveranstaltung
Ort: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Einlass: 18:30 Uhr, Veranstaltung in deutscher und englischer Sprache
Tickets
GÄSTE:
Diskussion zwischen Heidi Salaverría (Philosophin, Professorin für Kunsttheorie und künstlerische Praxis) und Hengameh Yaghoobifarah (Schriftsteller*in, Redakteur*in), moderiert von Amina Aziz (Freie Journalistin)
Streit-Performance, inszeniert und moderiert von Martin Muth (Streitformatentwickler, Moderator, Künstler) mit Musik von Stephan Wortmann und diversen Gästen, u. a. Frédéric Jaeger (Filmemacher, Mitgründer und ehemaliger Künstlerischer Leiter der Woche der Kritik), Dario Werner (Deutscher Vizemeister im Wettkampfdebattieren), Susanna Wirthgen (Finalistin der deutschsprachigen Debattiermeisterschaften 2025, Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin)
In Kooperation mit
Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste
Ergänzend findet am 14. Februar um 15:30 Uhr im Sinema Transtopia eine Podiumsdiskussion zum Umgang mit Kontroversen in der Filmkultur statt.
