50 Shades of White
50 Shades of White
von Anais Dragu
Multikulti mit weißen Menschen. International, interkulturell zu sein bedeutet offenbar, Deutsch, Russisch, Englisch und Französisch sprechen zu können, und Ulrike Ottingers Die Blutgräfin ist wie ein Beweis dafür, wie wenig man realisiert, wie problematisch und ausschließend das eigentlich ist.
Trotz einer 90-minütigen Exposition gelingt es dem Film nicht, eine Welt zu entwerfen, die mich wirklich fesseln könnte. Als riesige Produktion zeigt der Film, genau wie die pseudo- fiktionale Welt, die er darstellt, lediglich die Schönheit und den Überfluss, von denen er selbst profitiert hat (Kostüme und Bildsprache sind makellos, auf eine theatralische Weise, im wahrsten Sinne des Wortes) – jedoch ohne Substanz. Wie viele Ressourcen und wie groß muss dein Budget sein, um sich derart auf die Form, ohne wirklich etwas sagen zu wollen?
Während des gesamten Films war ich mir ständig bewusst, dass ich einen Fantasyfilm sehe, und es war relativ leicht einzuordnen, wessen Fantasie das ist: die eines stolzen, elitistischen Europas, ganz wie die Aristokratie des Habsburgerreiches, die hier mit großer Hingabe romantisiert wird – mit einer leicht fetischisierenden Perspektive auf Queerness.
Was eine pseudo-soziale Kritik am Elitismus der Aristokratie hätte sein können – und daran, wie Eliten in Wien durch klar gezogene Grenzen und sichtbare Hierarchien aufrechterhalten werden, ebenso wie an der Bedeutung von Nepotismus und den schädlichen Folgen des Festhaltens an überholten glamourösen Traditionen wie Wiener Bällen, der Philharmonie, Pelzen, Polyglottismus, allgemeinem Snobismus und all den Rahmen, die zu ausschließenden Barrieren zwischen sozialen Klassen werden –, bleibt durch das Vampirsymbol lediglich eine redundante Darstellung eines längst verlorenen Glamours und dessen, was ich mir nur als eine white-washed Perspektive darauf vorstellen kann, was Europa wirklich ist.
„Die Hauptstadt Europas“, „die Hauptstadt der Kultur“ (eine westlich-eurozentrische Definition von Kultur).
Ich war zudem irritiert, einen Fantasyfilm mit einem ausschließlich weißen Cast zu sehen, was erneut die Frage aufwirft: Wessen Fantasie ist das? In einem latent faschismusanfälligen Europa und angesichts eines zunehmenden Rassismus auch und gerade in Österreich ist ein Film wie dieser höchst problematisch.
Abgesehen von seinem Snobismus wartet der Film auch mit unpassenden Witzen über Hitler, Stalin, Lenin und Mao auf, die schlicht nicht zünden und ziemlich zufällig wirken. Die Handlung ist unnötig in die Länge gezogen, bis zu den letzten 30 Minuten, in denen sich schließlich alles in einer höchst unbefriedigenden, langsamen, aber pompösen Weise auflöst. Erstaunlich, wie eine solche Möchtegern-Version der glamourösen 1930er-Jahre im Stil der 1960er so langweilig sein kann.
Isabelle Huppert ist eine lesbische Andeutung: nicht genug, um irgendwen wirklich zu irritieren; gerade genug, um TikTok-Fan-Edits zu ermöglichen, die bei Gen Z funktionieren, ohne Gen X zu verunsichern.
Ein Film, der versucht, vieles zu sein, nach dem jedoch nichts bleibt – außer Conchita Wurst.
