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Eröffnungskonferenz und Posterkampagne

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Eröffnungskonferenz und Posterkampagne

Eröffnungskonferenz und Posterkampagne

Stillstand verboten? – Welche Fortschritte das Kino braucht
Die Konferenz zur Woche der Kritik 2022 am 9. Februar

Unter anderem mit Nadav Lapid (Regisseur, „Synonymes“), Bojana Kunst (Philosophin), Simone Baumann (Geschäftsführerin German Films), Georg Seeßlen (Autor & Kritiker), Cíntia Gil (Kuratorin). In Kooperation mit der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste.

Die Berlinale steht in den Startlöchern – mit einen Schwerpunkt zu Arbeitsbedingungen in der Filmwirtschaft. Die neue Bundesregierung will ​​„mehr Fortschritt wagen“. Immer wieder wurde es ausgerufen während der Pandemie, nicht zuletzt in der Kulturszene: Nie mehr zurück zur alten Normalität! Seit zwei Jahren liegen diffuse Fortschrittsversprechen und Fortschrittsbegriffe in der Luft – irgendwo zwischen Kapitalismus und Sozialrevolution – und damit verbunden die Hoffnung, die Gesellschaft und die Kunst könnten durch den verordneten Stillstand während der wiederkehrenden Lockdowns zu neuen Einsichten gelangen. Denn im Stillstand setzen gesellschaftliche Routinen aus, den Begriff umgibt die Drohung der Stagnation, gleichermaßen lädt er zur lässigen Verweigerung der Produktivität ein. Doch steckt im Stillstand tatsächlich der Keim des Wandels? Regression, Revolution oder Degrowth – wohin wird die Reise gehen?

In der Eröffnungskonferenz zur Woche der Kritik begeben wir uns in der Akademie der Künste mit zwei Podien und zwei Vorträgen in das paradoxe Spannungsfeld zwischen Stillstandsgeboten und Fortschrittsträumen. Wir wollen diskutieren, wie es derzeit um die Ideen eines progressiven Kinos und einer progressiven Filmkultur steht und wie sich diese zu den jüngsten Erscheinungsformen des gesellschaftlichen Stillstands verhalten.

Welches Fortschrittsdenken die Filmpolitik und die Filmkultur aus ihrer Perspektive heute vertragen könnten oder vermeiden sollten, darüber reden wir unter anderem mit Simone Baumann, der Geschäftsführerin von German Films, die zuletzt den Dokumentarfilm „The Cars We Drove into Capitalism“ koproduzierte, sowie der Kuratorin Cíntia Gil, die bis vor Kurzem das Sheffield DocFest leitete und dort mit unüberbrückbaren künstlerischen Differenzen konfrontiert wurde. Wir wollen von ihnen und weiteren Gästen wissen, welche Schlüsse sie als Entscheidungsträger*innen aus den vergangenen Monaten gezogen haben. Nach welchen Maßstäben sollten die Filmbranche und die Festivallandschaft sich organisieren, um die aktuellen und kommenden Stimmen des Kinos entschieden zu stärken?

Anders als in der Wirtschaft und in der Gesellschaftspolitik schließen besonders in der Ästhetik und der Philosophie Stillstand und Fortschritt einander nicht aus. Deshalb widmen wir uns in einem zweiten Gespräch gezielt der Frage, welche ästhetischen Strategien im Moment des gesellschaftlichen Stockens wichtig werden, welche filmischen Bewegungen in gesellschaftlichen Krisen an Dynamik gewinnen – und welche obsolet werden. Wir diskutieren unter anderem mit dem Filmemacher und Berlinale-Preisträger Nadav Lapid, der mit seinem rastlosen Film „Synonymes“ ein Jahr vor der Pandemie die filmische Darstellung von Kategorien wie Identität, Nationalität, Migration und Gesellschaft auf virtuose Weise umwälzte und damit einen Nerv traf. Von ihm wollen wir erfahren, ob sich sein Film heute bereits historisch anfühlt und wie er seither auf seine Bilder blickt.

Eine Keynote von Bojana Kunst und ein Vortrag von Georg Seeßlen rahmen die Gespräche. Bojana Kunst („The Life of Art – Transversal Lines of Care“) verhandelt in ihrer Arbeit unter anderem die Zeitlichkeit des künstlerischen Arbeitsprozesses sowie das Verhältnis von Kunst und Kapitalismus. Wir haben sie gebeten, für uns die Dialektik von Stillstand und Fortschritt aus ihrer Perspektive in Worte zu fassen. Georg Seeßlen („Die zweite Welle: Corona & Kultur: Eine Ästhetik der Krise – Eine Krise der Ästhetik“) ist derzeit teilnehmender Beobachter unseres brancheninternen Workshops „Perfect Film Funding in an Imperfect World“, bei dem wir mit internationalen Vertreter*innen der Filmlandschaft spielerisch und systemübergreifend Alternativen zum Status quo bestehender Modelle von Filmförderung entwickeln und diskutieren. In seinem Vortrag wird er von den Ergebnissen berichten.

Bisher bestätigte Gäste der Veranstaltung:

Bojana Kunst – Philosophin, Dramaturgiin, Performancekunst-Theoretikerin & Professorin für Angewandte Theaterwissenschaft Justus-Liebig-Universität Gießen
Georg Seeßlen – Autor & Filmkritiker
Simone Baumann – Geschäftsführerin German Films & Produzentin
Cíntia Gil – Kuratorin (u.a. Doclisboa, Sheffield Doc/Fest)
Nadav Lapid – Filmemacher: u.a. „Ahed’s Knee“, „Synonymes“ (Goldener Bär Berlinale 2019)

Workshopteilnehmer*innen:

Jemma Desai, Großbritannien: Kuratorin, Autorin, Medienwissenschaftlerin, Leiterin der Programmabteilung beim Berwick Film & Media Arts Festival
Flavia Dima, Rumänien: Filmkritikerin, Kuratorin
Marina Gumzi, Slowenien/Deutschland: Produzentin, Drehbuchautorin, Medienwissenschaftlerin, Geschäftsführerin des Produktionsstudios NOSOROGI
Shine Louise Houston, USA: Produzentin und Regisseurin, Gründerin von Pink & White Productions (CrashPadSeries.com, PinkLabel.tv) mit Fokus auf queeren Pornos
Yulia Serdyukova, Ukraine: Filmproduzentin, Kuratorin und queerfeministische Aktivistin; eine der Organisatorinnen des Filma. Feminist Film Festivals; Gründerin von yutopia films
JP Sniadecki, USA: Filmemacher, Anthropologe und Professor für dokumentarische Medien an der Northwestern University in Chicago, Mitglied im Sensory Ethnography Lab
Tan Bee Thiam, Singapur: Produzent, Regisseur, Autor und Cutter bei 13 Little Pictures, einem unabhängigen Filmkollektiv
Davani Varillas, Mexiko: Mitglied vom Colectivo Los Ingrávidos, einem radikalen, avantgardistischen Filmkollektiv (gegründet 2012)
Zeynep Güzel, Türkei: Mitgründerin des New Film Fund (erstes privates Dokumentarfilm-Förderprogramm der Türkei) im Jahr 2015; 2019 veröffentlichte si ihr Langfilmdebüt „Come Rain or Shine“

Brüche gegen eindimensionale Perspektiven – Das neue Plakat zur Woche der Kritik

Die diesjährige grafische Kampagne zur Woche der Kritik hat erneut unser langjähriger Grafiker Kai Bergmann gestaltet. Im Zentrum steht ein Foto aus Bruno Dumonts Film „Jeanne d’Arc“ – und somit sein Spiel mit einer umkämpften Figur, bei der sich die Film- und Kunstgeschichte seit langen Jahren um gesellschaftliche, historische und religiöse Deutungshoheiten streitet. Wir danken ganz herzlich dem Verleih Grandfilm für die freundliche Genehmigung zur Verwendung des Ursprungsmotivs und hoffen für den 9. bis 17. Februar auf intensive Diskussionen um das Filmprogramm der Woche der Kritik.

bergmannstudios.de / Instagram: @_kaibergmann

https://grandfilm.de/

Das Fotomotiv zur diesjährigen Eröffnungskonferenz stammt von der Leipziger Fotografin Regina Susanne Borchert (https://regina-susanne.de).