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Über Filme sprechen: Debattenformate im Überblick

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Über Filme sprechen: Debattenformate im Überblick

Über Filme sprechen: Debattenformate im Überblick

Wie sprechen wir über das Kino? Nach welchen Regeln funktionieren Filmgespräche? Und was passiert, wenn wir sie ändern? Auch in dieser Ausgabe arbeitet die Woche der Kritik mit unterschiedlichen Debattenformaten, um die Konventionen des klassischen Q&As aufzubrechen und neue Formen des Sprechens über Filme auszuprobieren. 

Seit der Gründung der Woche der Kritik vor zwölf Jahren sind die Debatten, die sich an die Filmprogramme anschließen, ein ebenso wichtiger Bestandteil des Festivals wie die Filme selbst. Das hatte nicht zuletzt mit einem beobachteten Ungenügen innerhalb der Filmkultur zu tun: Das klassische Festival-Q&A, wie es im Anschluss an ein Screening bis heute bei der überwiegenden Mehrheit von Veranstaltungen stattfindet, folgt häufig einem sehr normierten Ablauf, der wenig Raum für ehrliche Reaktionen, Spontanität und Überraschungen lässt und vertiefende Debatten sowie eine kritische Auseinandersetzung eher verhindert. Die Woche der Kritik wollte deshalb von Anfang an einen Raum erschaffen, der jenseits der pragmatischen und wirtschaftlichen Vorgaben klassischer Filmfestivals ein lustvolles Sprechen über das Kino ermöglicht, das auch Uneinigkeiten zulässt. 

Um ein solches anderes Sprechen über Film zu erproben, haben wir die Woche der Kritik stets auch als Werkstatt zur Entwicklung neuer Formen des Filmgesprächs begriffen. Seit dem letzten Jahr haben wir diesen Aspekt noch einmal konsequenter vorangetrieben und unterschiedliche Debattenformate entwickelt – weil es unsere Überzeugung ist, dass es nicht ausreicht, eine Konvention einfach gegen eine andere auszutauschen. Schließlich ist das Sprechen über Film so vielgestaltig wie das Medium Film selbst. Diskussionen können von den unterschiedlichsten Punkten ausgehen und von da aus zu nochmals ganz anderen hinführen. Mit unseren Debattenformaten wollen wir diese unterschiedlichen Ausgangspunkte transparent machen und die Regeln, denen Filmgespräche häufig implizit folgen, ganz offensiv ins Zentrum stellen. 

Dabei gehen wir auch ungewöhnliche Wege und beziehen performative Formate mit ein. So wollen wir auch in diesem Jahr ein Debattenformat wiederholen, das sich im letzten Jahr großer Beliebtheit erfreute: Beim HALBWISSEN treffen die verschiedenen Gäste des Abends auf eine Moderation, die weder den Film des Programms gesehen hat, noch die Gäste kennt. Die Moderation muss sich den Film von ihren Gästen also erst einmal beschreiben lassen. Andersherum fangen diese Gäste nicht direkt bei der Analyse an, sondern müssen sich erstmal darüber verständigen, was sie eigentlich gerade gesehen haben. 

Drei weitere Formate der Festivalausgabe 2025 wollen wir in diesem Jahr fortführen: In der RUDELKRITIK versammeln wir eine Runde von Film- und Kulturkritiker*innen, die die Filme des Abends in einem moderierten Gespräch diskutieren. Während bei diesem Format die Filmemacher*innen das Gespräch aus dem Publikum heraus verfolgen, ist die Debatte beim Format REAKTIONSZEIT zweigeteilt: Hier unterhalten sich zunächst die Gäste und das Publikum über die Filme des Abends, bevor die Filmemacher*innen selbst in die Debatte einsteigen dürfen, um sich zum Gesagten zu verhalten. Eine kleine konzeptionelle Anpassung gab es bei unserem Format STEILVORLAGE: Hier ist fortan neben den Filmemacher*innen auch ein Mitglied unserer Auswahlkommission Teil des Panels. So steht neben den Filmen auch der kuratorische Auswahlprozess im Zentrum der Debatte.   

Erstmals wollen wir in diesem Jahr das Format PUBLIKUMSJOKER ausprobieren, bei dem das Publikum nicht erst am Ende, sondern von Beginn an Teil der Debatte ist. Nach dem Screening wird aus einem Pool aus Freiwilligen ein*e Zuschauer*in ausgelost, die Teil des Filmgesprächs sein wird. Als Stellvertreter*in des Publikums kann sie selbst mitdiskutieren, aber auch Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum aufnehmen und in die Diskussion einbringen. 

Der Woche der Kritik war von jeher wichtig, nicht nur Gäste aus der Filmkultur, sondern aus verschiedenen Disziplinen und Berufsfeldern auf dem Podium zu haben. In unserem neuen Format BRÜCKENSCHLAG stellen wir diesen Anspruch ins Zentrum und laden ganz dezidiert nur Gäste ein, die nicht aus Filmkritik und Filmbranche kommen, um ihre Perspektiven einzubringen und mit den Regisseur*innen des Abends über ihre Filme zu diskutieren. 

Seit der vergangenen Festivalausgabe präsentieren wir alle bisherigen und kommenden Debattenformate der Woche der Kritik im Rahmen eines Formatkatalogs. Dort finden sich auch die im letzten Jahr entwickelten Formate TUNNELBLICK und WUNSCHDENKEN, die in der kommenden Ausgabe pausieren. Mit der Erarbeitung neuer Debattenformate versteht sich die Woche der Kritik als Impulsgeberin für die Filmkultur. Auf der Festivalwebseite und im YouTube-Kanal des Festivals ist über die Jahre ein Archiv des Sprechens zum Kino entstanden. Bereits mehrere internationale Veranstaltungen, wie zuletzt etwa die Semaine de la critique de Montréal oder das argentinische Filmfestival Contracampo, haben die interdisziplinären Debattenformate der Woche der Kritik aufgegriffen und erfolgreich weitergeführt.

Foto: (c) Tabita Nives Hub