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Konferenz 2023 – Cinema of Care

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Konferenz 2023 – Cinema of Care

Konferenz 2023 – Cinema of Care

Cinema of Care – Wer kümmert sich um das Kino?

Konferenz in der Akademie der Künste Berlin, Mittwoch, 15.02.2023, ab 19.00 Uhr
Filmprogramm im Hackesche Höfe Kino, Freitag, 17.02.2023, ab 20 Uhr

Debatten zum Verhältnis von Sorgearbeit, Gesellschaft und Kunst nahmen in den letzten Jahren deutlich zu. Wir übertragen die Diskussion auf das Kino – eine besonders industrielle Kunstform: Wen brennt die Filmbranche aus? Welche Verantwortung tragen heute Institutionen und Filmschaffende füreinander, und welche Arbeitsverhältnisse sind überholt? Was kostet ein „fürsorgliches Kino“, und welche Filme weisen die Richtung?

Am 15. Februar 2023 diskutieren wir unter anderem mit der Filmemacherin Claire Denis, dem Festivalleiter Marek Hovorka sowie der Filmkuratorin und Kritikerin Abby Sun, begleitet von einem Werkstattgespräch mit der Künstlerin Elke Marhöfer. Am 17. Februar folgt ein Filmprogramm mit anschließender Debatte zu ästhetischen Antworten auf Fragen der (Für-)Sorge.

Die Eröffnungskonferenz findet in Kooperation mit der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste statt.

Denkerinnen wie die Sozialwissenschaftlerin Gabriele Winker („Solidarische Care-Ökonomie – Revolutionäre Realpolitik für Care und Klima“), die Philosophin Silvia Federici („Caliban und die Hexe – Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation“), die Politikwissenschaftlerin Joan Tronto („Caring Democracy – Markets, Equality, and Justice“) oder die Theaterwissenschaftlerin Bojana Kunst („Artist at Work – Proximity of Art and Capitalism“) sind überzeugt: Gesellschaft und Erwerbsarbeit können nicht auf Dauer funktionieren, wenn Menschen sich nicht regelmäßig umeinander und um sich selbst kümmern.

Die jüngeren sozialpolitischen Debatten zu mangelnden Strukturen der Fürsorge in der Gesellschaft stellen die Idee von der Kunst als gesellschaftlicher Utopie regelrecht auf den Kopf – denn Fakt ist: Während viele Kulturarbeiter*innen und Künstler*innen antikapitalistische Positionen vertreten, zählt ihre eigene Branche zu den prekärsten. Leistungsdenken, Konkurrenzdruck, Statusdenken, Billiglöhne und minimale soziale Absicherung sind hier an der Tagesordnung – gegenseitige Unterstützung und faire Arbeitsbedingungen stehen hintenan. In der Branche ist das kein Geheimnis, viele scheinen sich einig: Wer Künstler*in werden will, braucht entweder Startkapital oder kann sein Privatleben an den Nagel hängen. Wer nicht flexibel und gesund ist, wer nachts und an Wochenenden Pausen braucht, wer Angehörige pflegen muss, wird kein Theater leiten und nicht den Film drehen, der die Welt verändert. Kulturinstitutionen zeigen trotz kritischer Programminhalte selten Alternativmodelle auf zu Leitungspersonen, die durch maximale Arbeitslast und Druck in wenigen Jahren ausbrennen. Und wehe denen, die die Kunst kritisieren! Die sabotieren dabei die geschundenen Kulturarbeiter*innen noch zusätzlich.

Der Slogan zur Kulturarbeit ist dabei überall der gleiche, zuckersüß und zynisch: Kunst und Kultur sind eben eine Herzensangelegenheit! Zum Beginn der Woche der Kritik 2023 wollen wir deshalb im Rahmen unserer Auftaktkonferenz unter dem Titel „Cinema of Care – Wer kümmert sich um das Kino?“ diskutieren, was die Kunst, das Kino und die Kulturarbeit von der feministischen Forderung eines sozialen Wandels hin zu einer fürsorglicheren Gesellschaft lernen können – und wie eine nachhaltige Branche und Kunstpraxis denkbar sind, die nicht auf der Ausbeutung und Überforderung Einzelner basieren.

Am 15. Februar wollen wir von unseren Gästen in der Akademie der Künste erfahren, wie sich Fragen der (Für-)Sorge zu ihrem Berufsethos verhalten, und diskutieren, welche Verantwortung Kulturarbeiter*innen, Institutionen, Firmen und Filmschaffende füreinander tragen. In einer Podiumsdiskussion befragen wir hierzu die Regisseurin Claire Denis (Beau Travail), den Festivalleiter Marek Hovorka (Ji.hlava International Documentary Film Festival) sowie die Filmkuratorin und Filmkritikerin Abby Sun. In einem Werkstattgespräch betrachten wir die Arbeitsweise der Künstlerin Elke Marhöfer, die sich in ihrer recherchebasierten Praxis mit ökologischem Denken und Handeln befasst und die Auseinandersetzung mit der Welt ausgehend vom Menschen hinterfragt.

Am 17. Februar folgt im Hackesche Höfe Kino ein Filmprogramm zu Verbindungslinien zwischen Care-Ethik und ästhetischer Praxis. Wir wollen diskutieren, wie Bilder und Bildmontagen aussehen, die eine fürsorglichere Gesellschaft denkbar und spürbar machen.

Die Veranstaltungen im Überblick:

15. Februar 2023, 19 Uhr
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Werkstattgespräch mit Elke Marhöfer
Diskussion mit Claire Denis, Marek Hovorka, Abby Sun
Keynote: Isabell Lorey

17. Februar 2023, 20 Uhr
Hackesche Höfe Kino, Rosenthaler Str. 40–41, 10178 Berlin
Filmprogramm mit anschließender Debatte zu Ästhetik und Care-Ethik

Plakatkampagne für die Woche der Kritik 2023

Die Gestaltung für die Woche der Kritik 2023 hat der Grafiker Alexander Brade übernommen. Unsere Plakatkampagne basiert im kommenden Jahr auf einem Kult-Klassiker des homosexuellen Kinos: Pink Narcissus von James Bidgood. Wir danken dem Filmverleih Salzgeber für die freundliche Freigabe des Bildmotivs.

© Pink Narcissus, R: James Bidgood (28.3.1933 bis 31.1.2022), Salzgeber

Die Woche der Kritik ist eine Veranstaltung des Verbands der deutschen Filmkritik, gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa – Spartenoffene Förderung, die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst und die Rudolf Augstein Stiftung. Die Eröffnungskonferenz findet in Kooperation mit der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste statt.